Trauerfeier-Magazin. Gedanken und Ideen zu freien Trauer- und Abschiedsfeiern.

Trauerfeier Magazin

An dieser Stelle teilen wir Gedanken zu den Themen Sterben, Abschied und Trauer sowie Erlebnisse und Erfahrungen aus unseren Trauerfeiern, Beerdigungen und Abschiedszeremonien.

Genährt – in Trauer und in Frieden

Es ist einer dieser ersten warmen Frühlingstage. Berührt und mit einem Gefühl tiefer Verbundenheit gehe ich dem Greifensee entlang, als wäre ich in Heidis Geist unterwegs. Ich wandle auf Pfaden, auf denen sie lange, lange Jahre ihres Lebens gegangen ist. Unzählige Kilometer ist sie mit ihren Walkingstöcken am Greifensee gewandert. Die Sonne taucht alles in ein leicht goldiges Licht. Mein Blick fällt auf Erlenblütenstände und kleine Erlenzäpfchen, wunderschöne Birken säumen das Seeufer. Der See schwappt mit ganz feinen Geräuschen ans Ufer. Tiefblauer Himmel über allem. Viele Leute sind unterwegs. Das wäre ein Tag gewesen, an dem Heidi sicher auch unterwegs gewesen wäre und den sie genossen hätte. Sie hätte unterwegs offene Augen gehabt für die kleinen Schönheiten am Wegrand und sich Zeit genommen, um sie zu sehen.

Dieser sonnig-frühlingshafte Spaziergang ist ein runder Abschluss für mich nach dieser berührenden, schönen Abschiedsfeier, die Heidis Wesen voll und ganz entsprochen hat. Und von der alle Anwesenden auf ihre Art genährt und in Frieden weggegangen sind. In Trauer, ja, aber auch in Stimmigkeit. Mich hat es hierhin gezogen, zum Greifensee. Um den Abschied für mich als Zeremonienleiterin rund zu machen. Ich verbinde mich noch einmal und lasse gleichzeitig los. So, dass Heidi und ihre Familie ihren Weg gehen können und dass ich meinen Weg gehen kann. Ein kurzes und intensives Wegstück geht zu Ende. Auch wenn ich mit den beiden Söhnen noch in Kontakt stehen werde – das Herzstück meiner Arbeit ist vollbracht. 

 

Ich bin hier mit einem sehr berührten Herz, einem lebendigen Herz und einer grossen Dankbarkeit für diese schöne Arbeit, die ich machen darf. Verschiedene Sätze und Satzfragmente tanzen durch meinen Geist – viele Rückmeldungen habe ich bekommen direkt nach der Abschiedsfeier: Wie schön es gewesen sei. Dass sie mir noch eine Stunde länger hätte zuhören mögen. Dass die Feier so sehr Heidi erfasst habe, als hätte ich sie ein längeres Stück auf ihrem Lebensweg begleitet. Dass es eine gute Zusammenarbeit zwischen mir und den Söhnen und den Schwestern von Heidi gewesen sei. Dass diese lebendige Feier in ihrer Bodenständigkeit auch überraschend war. Und sehr echt. 

Ich konnte gar nicht alles aufnehmen, weil ich noch so sehr in meinem Eigenen gewesen bin. Am liebsten hätte ich mir alles Wort für Wort gemerkt.

 

Und ja, so soll es sein. Ich fühle, dass ich meine Arbeit gut gemacht habe, wenn es war, als hätte ich die Verstorbene schon lange gekannt und die anwesenden Freunde und Familie mir noch lange hätten zuhören können. Wenn meine Worte die Herzen berühren, wenn danach noch lange viele Menschen zusammen stehen und Erinnerungen austauschen. Und wenn in der gemeinsamen Trauer eine Verbundenheit und sogar eine gute Stimmung sein darf. 

Danke Heidi, für diese Reise, die ich mit dir machen durfte! Sie lässt mich reicher zurück.


Kathrin Maag, im Februar 2021

Eine Brücke aus Liebe

"Da ist ein Land der Lebenden und ein Land der Toten
und die Brücke zwischen ihnen ist die Liebe –
das einzig Bleibende, der einzige Sinn." - T. Wilder

Als ich vom Vorgespräch für die Trauerfeier einer 54-jährigen Frau nach Hause fuhr, hat sich ein Bild kreiert in mir. Das Bild, genährt durch die Erzählungen von ihren beiden Töchtern und ihrem Lebenspartner, war pure Liebe. Als ich mit dem Velo auf dem Heimweg durch ein Stück Wald fuhr, habe ich eine wunderschöne Feder gefunden. Ich hielt an, nahm sie mit. Die Feder flocht ich in die Trauerrede ein und sie begleitete mich zur Feier.

Voll Liebe war die Abschiedsfeier. Bilder, die die Verstorbene selber gemalt hatte, zierten die Wände.

Ich begrüsste die Trauergäste mit dem Lieblingsduft der Verstorbenen: Lavendel! 

Lieblingsmusik ertönte und Fotos wurden gezeigt: Fotos voller Lebensfreude! Lebensfreude auch im letzten Lebensjahr, welches von Krankheit geprägt war. Leben und Lieben bis zuletzt!

Die Verstorbene liess sich fast täglich von einer Engelskarte inspirieren. Ich zog stellvertretend für sie eine und las die Bedeutung dazu vor. 

Die Lebensgeschichte bestand aus lauter kleinen, erzählten Geschenk-Päckli. Jedes Päckli war mit Liebe vollgepackt.

Am offenen Mikrofon hat eine Tochter Erinnerungen an die Mutter erzählt; freudige, lustige, traurige, liebevolle. Der Lebenspartner hat sich bei allen bedankt, die ihn in der Zeit der Trauer unterstützt haben. Sehr berührend!

Dann hat jemand eine Gitarre hervorgeholt und mit allen das Lied „The River is flowing back to the sea“ gesungen.

Das Lied von Patent Ochsner wurde gespielt „ Für immer uf Di“ und auf Wunsch der Verstorbenen gemeinsam gesungen.

Zum Schluss durften sich alle ein Bild aussuchen und mit nach Hause nehmen. Ein Stück des Trostes, ein Stück der Liebe!

 

"Da ist ein Land der Lebenden und ein Land der Toten
und die Brücke zwischen ihnen ist die Liebe -
das Einzig bleibende, der einzige Sinn." - T. Wilder

Bettina Heiniger, im November 2020